Steve Ballmer sagt Adieu – Seine letzte CES-Keynote

Am vergangenen Montagabend, dem Eröffnungsabend der CES, ist im Ballsaal des „Venetian“-Hotels in Las Vegas ein Abschied zu beklagen. Ballmer hat seine letzte Ansprache gehalten und Microsoft kehrt danach der CES den Rücken. Termingründe – wie es offiziell hieß.

15 Jahre lang hatten erst Bill Gates, dann Ballmer mit ihren Keynotes der Messe Glanz verliehen, jetzt muss sich Shapiro jemand anderes suchen. „Danke“, sagt Ballmer. „Ich hoffe, dass Microsoft zurückkehrt“, sagt Shapiro. Musik ertönt, Bilder aus glücklichen Jahren flackern über die Leinwand, danke, das war‘s.

Ballmers letzte CES-Keynote also, wie würde die wohl sein? Würde er ein neues Produkt vorstellen, eine große Überraschung zum Abschied?

Wer sich solche Hoffnungen gemacht hatte, wurde enttäuscht. Ballmer saß den Abend über ruhig wie selten auf einem Hocker auf der Bühne und ließ sich von TV-Moderator Ryan Seacrest artig befragen. Hielt mal sein Windows-Smartphone in die Kamera („Guck mal, ein Anruf in Abwesenheit von Bill“), beklatschte mal die Gastredner aus seinem Konzern und guckte ansonsten gut gelaunt in Richtung der Tausenden Zuschauer im Saal.

Kein Abend der Überraschungen

Die Keynote begann – wie zu erwarten mit Steve Ballmer, der jedoch keinen Monolog zum Besten gab, sondern gemeinsam mit TV-Moderator Ryan Seacrest in der Mitte der Bühne Platz nahm.
Ballmer kündigte an, dass Microsoft im Jahr 2012 seine komplette Produktpalette auf ein neues Level heben werde – gemeint war damit das Metro-Design, welches sich wie ein roter Faden durch sämtliche Microsoft-Produkte ziehen werde.

Während alle im Saal gespannt auf Windows 8 warteten, war überraschenderweise Windows Phone das erste Produkt, über das gesprochen wurde.
Hierfür betrat Senior Product Manager Derek Snyder die Bühne.
Neue Funktionen für Windows Phone hatte er nicht zu verkünden – die Präsentation beschränkte sich auf eine Demo der Windows Phone Benutzeroberfläche. Die Vorführung der Sprachsteuerung ging zudem in die Hose. Immerhin zeigte Steve Ballmer das Lumia 900 und das HTC Titan 2 live auf der Bühne, ohne aber näher auf die Geräte einzugehen.

Dann folgte das Thema, auf dass die allermeisten Zuschauer im Raum sicher am gespanntesten waren: Windows 8… Sie sollten bitter enttäuscht werden.
Auch über Windows 8 sprach Ballmer nicht selbst, sondern überließ Marketing-Chefin Tami Reller die Bühne.
Reller folgte Ballmers Feststellung – man habe Windows mit Windows 8 neu erfunden, und ergänzte:
Durch Windows 8 werden wir unsere PCs mit anderen Augen sehen.

Was folgte, war eine Demonstration der Metro-Oberfläche.
Wer schon irgendein Video zu Windows 8 gesehen hat, der hat bei dieser Vorstellung nichts verpasst.
Ein bisschen Scrollen hier… eine Metro App da…
Login per Bild-Kennwort, ein Hinweis auf den Windows Store, der Ende Februar eröffnet, sobald die Beta verfügbar ist – und dann war sie auch schon wieder vorbei, die lang ersehnte und mit großer Spannung erwartete Präsentation von Windows 8 auf der CES.
Nicht eine einzige neue Information wurde enthüllt.

Doch es blieb kaum Zeit, sich von diesem Schreck zu erholen, denn nun betrat ein Gospel-Chor die Bühne und intonierte aktuelle Twitter-Beiträge, die während der Keynote gepostet wurden.
Anschließend sprang Ballmer begeistert klatschend von seinem Hocker – was die Zuschauer nach seiner lahmen Keynote nicht taten. Wenn es das Wort „Fremdschämen“ nicht schon gegeben hätte – heute Nacht wäre es erfunden worden.

Nach dem Motto „das Beste zum Schluss“ wurde zum Ende noch über die Xbox 360 gesprochen.
Auch hier natürlich im Vordergrund: Das seit Dezember verfügbare neue Dashboard, welches die Metro Oberfläche auf die Microsoft-Konsole gebracht hat.
Am Beispiel der Sesamstraße wurde demonstriert, wie unter Nutzung von Kinect interaktive TV-Shows in Zukunft aussehen könnten.
Wie das geht, zeigte ein Mädchen auf der Bühne: Sie warf fiktive Kokosnüsse in eine Sesamstraßen-Szene auf der Leinwand. Die Figur fing sie auf und lobte den guten Wurf.

Apropos Kinect: 18 Millionen Sensoren wurden laut Steve Ballmer mittlerweile weltweit abgesetzt – und die Erfolgsgeschichte soll fortgeschrieben werden: Kinect für Windows wurde für den 1. Februar 2012 offiziell angekündigt.
Das war die einzige wirkliche Neuigkeit, die Ballmer an diesem Abend in Las Vegas zu verkünden hatte.

 

Unter dem Strich kann die CES-Keynote von Microsoft und Steve Ballmer nur als herbe Enttäuschung gewertet werden.
Langweilig im Ablauf und ohne wirkliche Neuigkeiten. Gebetsmühlenartig wiederholte Steve Ballmer „Metro, Metro, Metro“ – gerade die typischen Windows-Desktopanwender dürfte er damit aber mehr verschrecken als begeistern.

Ein auf Twitter aufgeschnappter Kommentar trifft es auf den Punkt:
„Microsoft hat klar gemacht, warum sie sich von der CES verabschieden – sie haben nichts zu sagen.“

Leider wahr… Die CES ist eine Innovationsmesse. Eine Eröffnungsrede, in der bereits bekannte Fakten neu aufgegossen werden, ist dieser Veranstaltung nicht würdig.

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